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Remo Brunners Leidenschaften sind Motorräder und das Fischen
Niederwil. Der Zuzwiler Motorentuner betrieb in Niederwil ein Geschäft für schnelle Strassenmaschinen. Auch seine Freizeit steht im Zeichen der lauten Motorräder. Und der stummen Fische.
Motorräder sind sein Lebensinhalt. Er gehöre zu den «Angefressenen», sagt er selbst. Und dabei interessieren ihn nicht die gemütlichen Harleys, die wilden Enduros, die imposanten Gold Wings mit Stereoanlage, seine Leidenschaft gilt ausschliesslich den schnellen Strassenmaschinen. Und weil ihm das Herumfahren über die Alpenpässe der Schweiz nicht reicht, fährt er auch auf den berühmtesten Rennstrecken Europas. Dort gibt es das «Racing for Fun», eine Sportart für Hobbyrennfahrer. Der Bereich boomt, aber nicht in der Schweiz, denn hier sind Rundstreckenrennen verboten.
Das goldene Händchen
Remo Brunner hat sich heute, mit 36 Jahren, komplett dem Motorrad verschrieben. Vor einem Jahr hat er mit der Eröffnung der Motorradwerkstätte in Niederwil sein Hobby endgültig zum Beruf gemacht. Hier repariert er Motorräder, ausschliesslich schwere Strassentöffs, macht den Service, oder - die grösste Herausforderung - er tunt sie. «Optimieren» verbessert Brunner, «das kann ein kleiner Umbau sein, ein Lenker, eine Verschalung, aber am meisten reizt mich der Motor.» Motorentuning: Schneller, stärker, durchzugsfreudiger. Er habe das «goldene Händchen» dazu, sagt man ihm nach. Vor allem aber weiss er aus eigener Erfahrung, wo er das «Händchen» anlegen muss. Denn die besten Ideen probiert er zuerst an seiner eigenen Maschine aus. Brunner: «Und die Fehler kommen dann auf einem selbst zurück.»
14 Rennläufe pro Jahr
Denn Brunner fährt selbst Rennen. Racing for Fun: Jeder kann hier mitmachen, ein kleines Startgeld muss entrichtet werden, es geht um nichts als die Ehre, denn zu gewinnen gibt es höchstens einen Blumentopf, sprich einen Pokal. Aber trotzdem wird hier gefightet, in Hubraumkategorien eingeteilt und geschlechtergemischt. Es gibt ein offizielles Training und zwei Wertungsläufe, drei Tage dauert jeweils so ein Abstecher auf Europas Rennpisten. Sechs bis sieben solche Wochenenden gönnt sich der Motorradfan Brunner mit seiner ebenfalls motorradbegeisterten Freundin. Sein fahrerisches Können und sein «Kitzeln» am Motor seiner 14-jährigen Yamaha OW01 zeigen jedes Jahr Erfolg: Soeben hat er den 2. Platz im «Speer Cup» nach Hause gefahren.
Autodidakt und gute Kontakte
Dabei hat sich Remo Brunner sein Know-how selbst zugelegt. Autodidaktisch hat er sich durch Kataloge und Fachbücher durchgearbeitet. Kontakte zu professionellen Rennmotorradtunern (u. a. Erhard Hufenus, Seitenwagen-WM) zeitigten ihm viel Insiderwissen. Mit Motorrädern vertraut ist er schon lange. Schon seit ihm der Staat das Motorradfahren erlaubt, seit 18 Jahren also. Brunner sagt: «Aber vor zehn Jahren hätte ich mir niemals gedacht, einen Motor zu zerpflücken.» Bis zur Eröffnung seines Motorradshops hat er als Maurerpolier gearbeitet. Dann - vor zwei Jahren - hat er sein Leben umgekrempelt, hat in Zuzwil eine kleine Werkstätte eröffnet und ist damit bald nach Niederwil in ein grösseres Lokal gezogen. Über Kundschaft muss er sich nicht beklagen, sein Name hat sich herumgesprochen, in der Motorradszene der Ostschweiz wie auch auf den Rennplätzen.
Tüftler und Geschäftsmann
Natürlich fahren einige seiner Kunden auch Rennen. Gibt es da keine Missgunst, wenn er seine Maschine und gleichzeitig die der Konkurrenten betreut? «Nein, für mich ist jeder Motor ein Einzelstück und ich widme ihm unge- sehen des Fahrers meine vollste Aufmerksamkeit.» Brunner ist auch Tüftler. Sich ärgernd über das mühsame «Aufbocken» der Maschinen hat er kurzerhand einen handbetriebenen Zentralbock erfunden. Mit einem kurzen Handgriff lässt sich das Motorrad anheben und arretieren, so werden Teile wie die Räder frei zugänglich. Den Zentralbock verkauft er mit Erfolg im Fahrerla- ger auf den Rennstrecken und so lassen sich Hobby und Geschäft synergetisch verbinden.
Stundenlang durch Thur waten
Motorengeheul, schwere Maschinen, PS, Lederkombi, es ist die Welt des Remo Brunner. Aber nicht die ganze. Denn nebst vielfältigen körperbetonten sportlichen Betätigungen, hat Brunner ein dritte Leidenschaft: Das Fischen. «Ich kann nicht tatenlos herumhocken», konstatiert er. Alleine watet er stundenlang durch die Thur, völlig entspannt, auf der Jagd nach dem ultimativen Fisch. Den er, wenn er grad keine Lust auf ein Fischnachtessen hat, auch gleich wieder freilässt.
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